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Positives Hundetraining - bedürfnisorientiert

Aktualisiert: 30. Apr.

Oft kommen Gegenstimmen wie „Aber Grenzen sind ja wichtig und Regeln müssen sein! Das geht nicht im positiven Hundetraining!“. Ich sag, das geht auch positiv!


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Stell dir mal folgende Frage:

Was ist dein Hund für dich? Ein Begleiter, ein Familienmitglied, ein Partner oder eher ein Tier, dass sich dir unterwerfen muss? Kundinnen, die mit mir zusammenarbeiten, sehen ihren Hund als einen treuen Begleiter und wünschen sich, mit ihm Spaß zu haben.

Da trennt sich auch die Spreu vom Weizen. Statt den Hund als Befehlsempfänger zu sehen, wird der Hund als fühlendes Individuum angesehen, das bei uns in einer Art Zwangsgemeinschaft lebt und wir deshalb verpflichtet sind, ihm das Leben so schön wie möglich zu gestalten.

Da bin ich auch ziemlich straight! Wer nicht nach meinen Werten und bedürfnisorientiert mit seinem Hund umgehen will, der kann gerne woanders hingehen.


Positives Hundetraining und die positive Verstärkung

Aber vorab ein kleiner Exkurs, was positive Verstärkung eigentlich ist (wenn du das bereits weißt, dann überspringe diesen Teil einfach).


Positive Verstärkung bezeichnet eine Trainingstechnik, beschreibt aber auch einen Lernvorgang.

Jeder Hund strebt nach guten Gefühlen. Wir alle würden uns gern, so oft es geht, gut fühlen, oder? Das ist die Grundlage für das Lernen über positive Verstärkung.

Der Hund zeigt ein Verhalten und danach kommt etwas hinzu, was bei ihm ein gutes Gefühl auslöst. Dadurch wird das Verhalten verstärkt.

Das funktioniert tatsächlich bei JEDEM Hund! Wenn du positive Verstärkung im Training einsetzen möchtest, solltest du die Bedürfnisse deines Hundes kennen. Werden Bedürfnisse befriedigt, fühlt sich der Hund gut.

Deine Belohnung sollte das aktuelle Bedürfnis deines Hundes erfüllen. Nur dann wirkt es auch wie eine Belohnung.

Positive Verstärkung wird sehr oft missverstanden als reine Arbeit über Futterbelohnung.

Du kannst damit jedes erwünschte Verhalten beim Hund fördern, ausbauen, verlängern und verstärken.


Vorteile der positiven Verstärkung

1. Kooperation

Durch den Einsatz von Belohnungen, die dein Hund als solche sieht, hat dein Hund Erfolg. Erfolg motiviert euch beide, sodass ihr beide besser arbeitet.

Durch das Beobachten des Hundes und das Kennen seiner Bedürfnisse kannst du die Motivation deines Hundes effektiv für euer Training nutzen.

Stell dir vor, dein Hund Bello liebt es an Bäumen zu riechen und du erlaubst Bello, genau das zu tun. Ich erklär dir das mal am Beispiel „Sitz“:

Ihr kommt in die Nähe eines Baumes, der beste Zeitpunkt, um das Signal „Sitz“ abzufragen, ist bevor ihr beim Baum seid. Sobald Bello sitzt, lässt du ihn als Belohnung durch am geliebten Baumstamm schnüffeln.

Die Bedürfnisse des Tieres zu befriedigen, ist artgerechtes Training (soweit man Hunde in der Menschenwelt als artgerecht betrachten kann. Aber das ist ein anderes Thema), denn die Suche nach Bedürfnisbefriedigung ist der Motor, der jedes Lebewesen antreibt. Achtung! Es ist wichtig, dass kein anderes Lebewesen, die Natur Schaden nimmt oder Gesetze missachtet werden, wenn dein Hund seine Bedürfnisse befriedigt.

Sollten dir Ideen fehlen, welche Bedürfnisse dein Hund hat, dann beobachte ihn in eurem Alltag. Sammle deine Eindrücke, bring sie gern auch erstmal zu Papier und versuche, sie in dein Training als Belohnung zu integrieren.

2. Bindung

Positives Hundetraining geht nicht ohne eine gute Bindung.

Zu einer Freundin, einem Familienmitglied oder einer Partnerin wünschst du dir sicherlich eine tiefe und innige Bindung, oder?

Bindung entsteht durch den Austausch von freundlichen Verhaltensweisen zwischen zwei Sozialpartnerinnen. Sie benötigt Sicherheit und Vertrauen, sprich die Bindungspartnerin darf keine Bedrohung für die andere werden.

Bindung schafft die Grundlage für Neugier und ein gesundes Interesse an der Umwelt.

Genau diese Dinge wünsche ich mir für mich und meinen Hund. Da du hier bist, hoffe ich, dass du das auch so siehst!

Durch den Fokus auf positive Verstärkung im Training setzt du weniger (im besten Fall keine) Trainingstechniken ein, die deinen Hund hemmen und ängstigen. Durch positive Verstärkung wird beim Hund keine Unsicherheit, Angst oder Aggression ausgelöst. Du wirst für deinen Hund zum sicheren Hafen und nicht zu einem Risikofaktor.

Für Hunde ist es mit das Schlimmste, nicht zu wissen, was sie von uns zu erwarten haben. Mal belohnen wir und im nächsten Moment blocken wir sie. Diese Unklarheit lässt unsere Hunde unsicher werden. Nicht zu wissen, was sie von ihrer Bezugsperson zu erwarten haben, löst großen Stress aus, den er nicht bewältigen kann. Chronischer Stress macht krank!

Durch den Einsatz positiver Verstärkung kannst du eine gute Bindung zum Hund aufbauen und ihm damit bei der Bewältigung von Stress als sicherer Hafen helfen.

3. Spaß und Abenteuer

Bedürfnisorientierte Belohnungen im Training zu nutzen, schafft immer eine gute Stimmung – an beiden Enden der Leine. Du und dein Hund könnt gemeinsam Spaß haben. Dabei wird auch eure Kreativität gesteigert.

Der Hund lernt, neue Strategien zur Problemlösung auszuprobieren, weil er sich gut und sicher fühlt. Du als anderes Ende der Leine lernst, kreativere Belohnungsmöglichkeiten einzusetzen. Handlungsfähigkeit fühlt sich für Mensch und Hund ausgezeichnet an. Neues zu entdecken und Abenteuer zu erleben, schweißt nochmal mehr zusammen.

4. Lebensqualität

Unsere Hunde habe generell wenig, bis keinen Einfluss auf die eigene Bedürfniseffüllung. Wir bestimmen, wann sie was Essen dürfen, wann und wo sie sich lösen dürfen, wo sie zu schlafen haben und noch viel mehr. In nahezu 100 % bestimmen wir deren Alltag.

Wenn du dich ab heute mehr mit den Bedürfnissen deines Hundes auseinandersetzt, kannst du SOFORT seine Lebensqualität steigern.

Durch positive Verstärkung erhältst du einen anderen Blick auf die Welt. Du konzentrierst dich sofort auf das Positive und die Erfolge und wartest nicht darauf, dass etwas schiefgeht. Dein Einfühlungsvermögen und die Empathie gegenüber deinem Hund wird wachsen.

5. Zuverlässigkeit

Viele Hundehalterinnen haben Rituale im Alltag mit ihren Hunden. Nach dem Aufstehen bekommt der Hund eine Reiswaffel gegen Sodbrennen. Vor dem zu Bett gehen nochmal das Gleiche. Rituale spielen eine große Rolle, da sie dem Alltag einen Rahmen geben. Das schafft wiederum Sicherheit beim Hund.

Nicht nur Sicherheit spielt für den Hund eine bedeutende Rolle, sondern Ausbilderinnen von Therapiebegleithunden nutzen diese Tatsache für ihre Arbeit. Die Anzeige der bei Problemen des Menschen wird über positive Verstärkung aufgebaut – nur ein Hund der Freude an seinem Job hat, wird auch zuverlässige Arbeit abliefern. Und noch besser – dieser Hund möchte arbeiten und hat Spaß dabei.

6. Selbstbewusstsein

Auch die Selbstwirksamkeit ist immens wichtig. Die Erfahrung, dass der Hund durch sein eigenes Handeln die Umwelt positiv beeinflussen kann und ihm dadurch etwas Gutes widerfährt, fühlt sich großartig an. Das konntest du sicher auch schon bei deinem Hund beobachten. Dein Hund sucht für sein Leben gern und lässt sich auch durch nichts ablenken? Die Suche allein löst beim Hund großartige Gefühle aus und ist damit selbst belohnend.

Selbstständige Entscheidungen treffen zu können ist ein Selbstbewusstseinsboost – und ein perfekter Gegenspieler zu Unsicherheit.

7. Nachhaltigkeit

Durch den Einsatz von positiver Verstärkung lernt dein Hund, welches Verhalten er in bestimmten Situationen zeigen soll. Durch Strafe erhält er im besten Fall nur die Information, was sich nicht lohnt.

Hunde lernen kontextbezogen. Sie verknüpfen die ganze Situation mit ihrer Wahrnehmung und mit deinen Signalen. Durch den Einsatz von positiver Verstärkung macht der Hund mit der Umwelt gute Erfahrungen und speichert diese ab. Es existiert kein leichterer Weg, Angst- und Aggressionsverhalten vorzubeugen. Ein Beispiel:

Du trainierst das „Sitz“ mittels positiver Verstärkung auf einem Feld, es ist 12 Uhr mittags, die Sonne scheint und es weht ein leichter Wind. Du trägst dein Outdooroutfit und bist motiviert. 20 Meter entfernt spielen Kinder Fußball. Dein Hund macht in diesem Kontext nur positive Erfahrungen.

Du trainierst das „Sitz“ mittels positiver Strafe (etwas Unangenehmes wird dem Hund hinzugefügt) auf einem Feld, es ist 12 Uhr mittags, die Sonne scheint und es weht ein leichter Wind. Du trägst dein Outdooroutfit und bist motiviert. 20 Meter entfernt spielen Kinder Fußball. Durch die Strafe (Hintern auf den Boden drücken, um das Sitz herbeizuführen), kann der Hund die Kinder mit dem Ball negativ verknüpfen und in Zukunft Angst davor haben.

Kontextbezogen bedeutet, dass der Hund alles, was er wahrnimmt mit dem Gelernten verknüpft. Aber auch dazu ein anderes Mal mehr.

Da du mit positiver Verstärkung gute Emotionen im Hund auslösen kannst, gehört sie immer zu den Trainingswerkzeugen bei der Arbeit an Angst- und Aggressionsverhalten.

Das Ziel einer Verhaltensveränderung sollte nicht sein, das Verhalten zu unterdrücken oder zu hemmen.

Ein größeres Gewicht fällt immer auf die Problemlösung – hat dein Hund keine Angst mehr vor Pferden, wird er sie auch nicht anbellen. Der Erfolg wird nicht von Dauer sein, wenn du versuchst, das Bellen des Hundes durch unangenehme Strafen zu hemmen.

Durch den Einsatz von positiver Verstärkung wirst du unabhängiger, denn dein Hund wird auch auf größerer Distanz, ohne Leine und außerhalb deines Einflussbereichs erwünschtes Verhalten zeigen. Warum? Weil es sich für ihn lohnt und er Spaß dabei hat.


Fazit

Bei positiver Verstärkung tritt das verstärkte Verhalten immer mehr auf und das nicht verstärkte Verhalten wird weniger. Damit das funktioniert, muss die Belohnung ein Bedürfnis des Hundes befriedigen.

Ob das funktioniert hat, kannst du feststellen – und zwar am Verhalten deines Hundes.

Durch den Einsatz von positiver Verstärkung gelangst du im Training auf Erfolgskurs, weil du lernst, Erfolge wahrzunehmen.

Du nutzt artgerechtes Training und setzt auf Bedürfnisbefriedigung. Dadurch verbessert sich deine Beobachtungsgabe.

Mehr Sicherheit und gegenseitiges Vertrauen schaffen eine innige Bindung zwischen dir und deinem Hund, denn du bist der sichere Hafen.

Das Training wird dir und deinem Hund mehr Spaß machen, was nicht nur dir mehr Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten schenken wird.

Du steigerst die Lebensqualität deines Hundes durch mehr Bedürfnisbefriedigung, eine tiefere Bindung und eine positive Grundhaltung ihm gegenüber.

Ein Verhalten, was oft belohnt wurde, zeigt der Hund gern und du kannst dieses als Belohnung einsetzen. Das motiviert den Hund noch mehr, das Verhalten zu zeigen.

Du löst beim Hund durch den Einsatz von angenehmen Belohnungen positive Emotionen aus. Allein dadurch kann er gute Erfahrungen in seiner Umwelt sammeln.

Was ist dein Hund für dich und nutzt du schon die Vorteile positiver Verstärkung?


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